Der schmale Grat der Rock‑Etikette
Mein Gastkommentar in der Tiroler Krone vom 10. April 2026 in voller Länge:
Auf der Bühne darf und soll es explodieren. Laut, wild, unberechenbar – genau dafür lieben wir Rockmusik. Doch was viele vergessen: Dieser kontrollierte Wahnsinn gehört auf die Bühne, nicht dahinter. Backstage herrscht ein völlig anderer Rhythmus. Dort geht es nicht um Show, sondern um Präzision, Professionalität und Respekt.

Während draußen die Fans warten, ist der Bereich hinter dem Vorhang eine Art Einsatzzentrale. Instrumente werden gecheckt, Abläufe abgestimmt, letzte technische Details geklärt. Jede Minute zählt. Und genau hier entscheidet sich, ob eine Band als verlässlicher Partner wahrgenommen wird – oder als Chaosfaktor.
Leider zeigt die Realität immer wieder ein anderes Bild:
Unpünktliche Load‑Ins, schlampige Vorbereitung, unnötige Diskussionen nach der Show oder der Klassiker – zu viel Alkohol zur falschen Zeit. Solches Verhalten ruiniert nicht nur den eigenen Ruf, sondern belastet auch jene, die im Hintergrund dafür sorgen, dass ein Konzert überhaupt stattfinden kann.
Gerade bei großen Shows ist Etikette kein Luxus, sondern Grundvoraussetzung. Wer seinen Platz in der Hierarchie kennt, die Crew respektiert und seinen Arbeitsbereich sauber hinterlässt, beweist Format. Allüren und Exzesse sind kein Zeichen von Rock’n’Roll – sie sind schlicht anstrengend für alle, die professionell arbeiten wollen.
Veranstalter merken sich genau, mit wem die Zusammenarbeit funktioniert. Und sie merken sich ebenso genau, mit wem sie es sich beim nächsten Mal lieber ersparen. Die Wahrheit ist simpel:
Wer auf der Bühne die Sau rauslassen will, muss Backstage Haltung zeigen.
Langfristig setzt sich nicht die lauteste Band durch, sondern jene, mit der man gerne arbeitet. Rock’n’Roll ist eine Attitüde – Professionalität ebenso.